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In dieser Übersicht finden Sie alle Gemeinden, die zur Pfarrei Hl. Franz Xaver in Lauterecken gehören.

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Reipoltskirchen

Gedenktafel Grafin Amalie

Auszug aus "Schätze der Gemeinde St. Johannes Nepomuk Reipoltskirchen"

Auszug aus der Rede von Herrn Pfr. Friedrich Schütt anlässlich 100 Jahre kath. Kirche 1880-1980

--- Pfarrer Weber hat viele schöne Dinge für die Kirche angeschafft, und zwar immer das Beste vom Guten.

So war zu meiner Zeit ein kunstvolles Vortragskreuz in Messingguss vorhanden, das wahrscheinlich durch spätere unsachgemäße Behandlung nicht mehr zu gebrauchen war, aber noch zu gebrauchen war ein weinrotes Messgewand mit teurer Seide und echter Goldstickerei und ein roter Rauchmantel mit gewebten Borden. Sein Nachfolger, Pfarrer Knittel schrieb wegen dieser Neuanschaffung nach einer Erzählung ins Pfarrgedenkbuch: Als Pfarrer Weber an Pfingsten den roten Rauchmantel zum erstenmal anhatte soll eine Frau laut gedacht haben: „Der bringt uns noch um Hab und Gut“.

Pfr. Weber war eben bestrebt, die Kirche und die Liturgie schön und anziehend zu machen nach der Vorstellung seiner Zeit, und er wollte seine Pfarrkinder, die alle damals nicht mit irdischen Gütern gesegnet waren, durch eine schöne Kirche trösten. (In Klammern sei an dieser Stelle noch erwähnt, dass das schöne alte grüne Messgewand aus venezianischer Seide mit Silberborden verziert, nicht gut, wie behauptet wird, ein Geschenk der letzten um 1670 verstorbenen Gräfin Amalie von Hohenfels-Reipoltskirchen sein kann, ihr Grabdenkmal ist in die Wand der Sakristei eingelassen – weil diese ja protestantisch war, wie der Grabmalspruch 1 Kor 10, 13b, aus der lutherischen Bibelübersetzung beweist, sondern dass es vielleicht eher aus einer Erstausstattung f. d. wieder hergerichteten ruinösen Kirche zu Reipoltskirchen stammt. Und die könnte wegen der kostbaren Seide ein Geschenk der Gräfin von Hillesheim gewesen sein (siehe weiter unten üb. D. Grafen v. Hillesheim!)

 

 

Dass gerade das grüne Messgewand noch da ist, hat seinen Grund darin, dass bis zur Liturgiereform Papst Pius X. anfang unseres Jhdt. beinahe jedes Heiligenfest das Sonntagsmessformular, das mit grünem Messgewand zelebriert wurde, verdrängte. So ist von alten Messgewändern das grüne erhalten geblieben.

Nun zum 2. Punkt: Die Dinge, welche für die Entwicklung der Pfarrgemeinde bzw. für deren Leben noch heute wirklichkeitsprägend sind. Da ist vor allem zu nennen die Geschichte der Reformation, die vor über 500 Jahren begann. Diese Geschichte ist, wie ich während meiner Tätigkeit hier erfuhr, in den Gemeinden, die aus der Reformation hervorgingen, noch sehr lebendig.

Nachdem Kaiser Karl V. mit Verhandlungen auf den verschiedenen Reichstagen, z.B. von Regensburg, Augsburg, Speyer, die religiöse Einheit in Deutschland nicht wieder herstellen konnte, wurde die endgültige Trennung in 2 Konfessionen besiegelt durch den Augsburger Religionsfrieden 1555. Nach dessen Grundsatz „Cuius regio, eius religio“ = Wessen Herrschaft, dessen Glaubensbekenntnis“ wurde nun verfahren. Wenn die Gebietsherrschaft katholisch blieb, mussten die Protestanten nach Verkauf ihrer Häuser und Liegenschaften auswandern und umgekehrt mussten die Katholiken, welche in einem prot. Gebiet wohnten, wenn sie kath. bleiben wollten, aus diesem Gebiet auswandern.

1556 haben der Kurfürst von der Pfalz und alle kleineren Herrschaften im Gebiet der heutigen Pfalz offiziell die Reformation eingeführt. Nur dort, wo die Bischöfe von Mainz, Worms und Speyer auch Landesherrn waren, blieb die Bevölkerung katholisch.

Überall mussten Priester und Klosterinsassen entweder der neuen Lehre beitreten oder ihr Amt bzw. ihre Klöster verlassen. Als aber durch die Verwüstungen des 30-jähr. Krieges 1618 – 1648 ganze Gegenden fast menschenleer wurden, als zur gleichen Zeit der Kurfürst der Pfalz keine Erben mehr hatte und kath. Wittelbacher aus Düsseldorf Erben des Pfälzer Kurhutes wurden, kamen in die dezimierten Dörfer auch Siedler. In unsere Gegend kamen Siedler aus Bayern, Tirol, aus dem Großherzogtum Lothringen und Luxemburg, aus Brabant (das heute zum Teil zu Belgien, z.T. zu Holland gehört). Die Katholiken der Pfarrei Reipoltskirchen sind, soweit ihre Vorfahren bis in jene Zeit zurückzuverfolgen sind, Nachkommen dieser Siedler.Gegen diese Einwanderungen wehrten sich die Protestanten, weil sie dadurch Beeinträchtigungen ihrer Rechte befürchteten.

Auch die kleine Herrschaft Reipoltskirchen bekam dies zu spüren. Diese Herrschaft umfasste im großen-ganzen die Orte, die heute zur kath. Pfarrei Reipoltskirchen gehören. Nach dem Aussterben der Grafen von Hohenfels-Reipoltskirchen, die prot. waren, wurde die Herrschaft geteilt. Die eine Hälfte bekam das kath. Grafengeschlecht von Hillesheim (z.Zt. d. kath. Kurfürsten Carl Theodor, der das Mannheimer Schloss und die Jesuitenkirche dort erbaute, war ein Graf von Hillesheim Finanzminister in Mannheim). Die andere Hälfte bekam das prot. Geschlecht der Grafen von Löwenstein. Beide Herren hatten im hiesigen Schloss je einen Amtmann zur Verwaltung ihres Anteils. Die Übernahme der alten außer dem Turm ruinösen Kirche zu Reipoltskirchen durch die Katholiken konnte nur geschehen durch den Schutz des Kath. Amtmanns des Grafen Hillesheim. Die Protestanten betrachteten diese Besitznahme aber als einen Eingriff in ihre Rechte. Dazu kam die französische Besatzung anschließend an die sog. „Reunionskriege“ (sprich: Eroberungskriege) Frankreichs, die eine gewisse Oberhoheit ausübte, welche den Katholiken in diesem überwiegend prot. Gebiet manche Hilfe brachten. Durch den Rijswijker Frieden 1697 wurde in einer Klausel zugunsten der Katholiken bestimmt, dass diese bei Kindtaufen, Eheschließungen und Sterbegottesdiensten die prot. Kirche benutzen durften dort, wo keine kath. Kirche vorhanden war. Auch mussten die Protestanten den Katholiken zu diesen Gottesdiensten mit ihren Glocken läuten.

In einem alten Sterbebuch der Pfarrei Reipoltskirchen (vor 1800) ist von einem solchen Glockenstreit berichtet. Es handelt sich um das Läuten der noch heute sog. Zweikirche im Lautertal bei Wolfstein bei der Beerdigung eines Kindes. Da der Streit nicht beizulegen war, wurde die Beerdigung verschoben, der Pfarrer von Reipoltskirchen schickte einen Boten zum französischen Kommissar Ploigner nach Bad Kreuznach, welcher eine Order an die Protestanten ergehen ließ, dass geläutet werden müsse, dazu einen Bußgeldbescheid. Die Protestanten fühlten sich in all diesen Dingen benachteiligt, zumal in die kath. Gebiete keine prot. Siedler einreisen durften. Als dann nach der franz. Revolution am Ende des 18. Jahrhunderts alle diese Stützen und Vorzugsgesetze für die Katholiken wegfielen, hatten die Katholiken was nicht verwunderlich ist, keinen leichten Stand in diesen ehemals ganz prot. Gebieten.

Wenn man heute von Ökumene spricht, sollte man auch an diese Dinge denken, die eine lange psychologische Wirkung hatten und noch haben und zwar auf beiden Seiten. Aber es war und ist nicht nur so, dass es Protestanten oder Katholiken so in ihre Gesinnung eingegangen wäre, wie die Geschichtsläufe verliefen oder wie es die Geschichtsschreibung nahelegt. Die größere Mehrheit hüben und drüben haben unter der Spaltung gelitten und haben miteinander und nicht gegeneinander gewetteifert, gute Christen zu sein. ...

Aus "Schätze der Gemeinde St. Johannes Nepomuk Reipoltskirchen"

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